Sie sind hier:
Startseite \ 7. Sonntag der Osterzeit
27

Neuigkeiten Details

geschrieben am: 24.05.2020

7. Sonntag der Osterzeit



7. Sonntag der Osterzeit

 

Evangelium Joh 17, 1–11a

In jener Zeit 1 erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen.
Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! 2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3Das aber ist das ewige Leben:
dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus.
4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.
5Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war! 6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.
Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. 7Sie haben jetzt erkannt,
dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. 8Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin,
und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. 9Für sie bitte ich;
nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. 10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. 11aIch bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir.

 

Herrlich, diese Menschen!

Der Abschnitt des heutigen Evangeliums ist der erste Teil eines langen Gebetes Jesu. Jesus ist mit seinen Jüngern im Abendmahlssaal. Unmittelbar vor der Leidensgeschichte steht bei Johannes dieses Hohepriesterliche Gebet. Jesus hatte mit seinen Jüngern in den langen Abschiedsreden über Gott gesprochen (vgl. Joh 14-16). Nun wendet er sich direkt an den Vater.

Wir werden in diesen Zeilen mit hineingenommen in die innige Beziehung Jesu mit seinem Vater. Mit dem Blick auf seinen baldigen Tod schaut Jesus auf sein Leben. Er verbindet sich mit dem Vater, aber auch mit den Menschen an seiner Seite. Und immer wieder spricht er von der Herrlichkeit. Von seiner Verherrlichung, von der Verherrlichung des Vaters und auch der Jünger. Herrlich – was bedeutet dieses Wort? Wunderschön – Himmlisch – Großartig – Paradiesisch – Göttlich! Es ist das Aufstrahlen von Gott selbst in allen und allem, wo "Verherrlichung" stattfindet.

Mit diesem Gedanken bin ich etwas gestolpert über Jesu Worte: „in ihnen [den Menschen] bin ich verherrlicht.“ Lassen wir uns dies einmal auf der Zunge zergehen. Jesus sagt nicht, wir Menschen sollen uns bemühen, um ihn in der Welt zu bezeugen. Er spricht auch nicht über die Zukunft, wenn wir vielleicht ein bisschen mutiger, liebevoller, gläubiger, usw. geworden sind. "In ihnen BIN ich verherrlicht." Das keinen Auftrag, sondern ein Fakt.

Wenn Jesus zum Vater geht, bleiben wir Menschen in der Welt und Gott wirkt in uns weiter. Wenn aber die Herrlichkeit Gottes in mir ist, dann bin ja ich: Wunderschön – Himmlisch – Großartig – Paradiesisch – Göttlich!

Ist Ihnen das immer so bewusst? Mir sicherlich nicht. Wie können wir das Licht Gottes in uns denn sehen?

So wie eine Lampe ihre Verbindung zum Stromkreis braucht, um leuchten zu können, so brauchen wir die Verbindung zu unserer Energiequelle. Diese Quelle, der Ursprung allen Lebens ist Gott. In ihm können wir erkennen, wie wir wirklich sind. Wir sehen, dass wir zutiefst geliebt sind und bleiben nicht in unseren Dunkelheiten stehen. Wir erkennen die Talente, die er uns geschenkt hat und die Menschen, die er uns an die Seite stellt. Wir schauen mehr und mehr von seinem Wirken in unserem Leben.

Eine solche besondere Strahlkraft habe ich bei Schwester Rita Schiffer, einer missionsärztli­chen Schwester, die in Afrika lebt, gespürt. Sie sprüht geradezu vor Energie, Freude und Herzlichkeit gegenüber allen Menschen, die sie trifft. Vor vier Jahren besuchte ich sie in Äthiopien. Ich verbrachte ein paar Tage mit ihr in dem Dorf Attat, um in dem dortigen Landkrankenhaus Fotos für unterstützende Spender aus Deutschland zu schießen. Das Krankenhaus war so überlastet, dass viele Patienten auf den Gängen lagen und das Personal kaum mit der Arbeit hinterherkam. Sr. Rita, die leitende Ärztin, empfing mich dennoch herzlich und teilte mich direkt zu Hilfsarbeiten ein. Jede Hand wurde gebraucht. Es wurden Brandwunden versorgt, Babys kamen zur Welt, andere Neugeborene verstarben. Ein Auf und Ab des Lebens schien hier verdichtet zu sein. Sr. Rita war dabei immer mit einer liebevollen Geste oder einem guten Wort zur Stelle. Ich fragte sie daher, wie sie nach solchen Tagen bete. Sie antwortete mir, dass sie meist nur die folgenden Worte spricht, um sich in Verbindung mit Gott zu wissen und damit alles in seine Hand zurücklegen zu können:

"Gott, du siehst mich. – Du weißt alles. – Du lächelst."

 

Lassen auch wir uns im Gebet von ihm anschauen. Stellen wir uns und unsere Mitmenschen, unsere Erfolge und unser Scheitern unter seinen liebevollen Blick. Lassen wir ihn unsere Akkus aufladen, um unsere Strahlkraft zu erhellen und selbst liebevoll auf die Menschen zu schauen, die er uns gegeben hat.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Ihre Praktikantin Katharina Stritzke