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geschrieben am: 18.07.2020

16. Sonntag im Jahreskreis A



 

 Sechzehnter Sonntag im Jahreskreis

Weizen und Unkraut stehen auf dem Acker durcheinander. Und so ist es in der Kirche Gottes: Sie ist eine Kirche aus Sündern und Heiligen. Wo verläuft die Grenze? Gott lässt jeden seinen Weg gehen, er lässt auch das Unkraut wachsen. Am Tag der Ernte werden wir wissen, was Unkraut und was Weizen war. Und vielleicht wird die Überraschung groß sein.

 

Tagesgebet: Herr, unser Gott, sieh gnädig auf alle, die du in deinen Dienst gerufen hast. Mach uns stark im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, damit wir immer wachsam sind und auf dem Weg deiner Gebote bleiben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

Erste Lesung Weish 12, 13.16–19

Es gibt keinen Gott, Herr, außer dir, der für alles Sorge trägt; daher brauchst du nicht zu beweisen, dass du gerecht geurteilt hast. Deine Stärke ist die Grundlage deiner Gerechtigkeit und deine Herrschaft über alles lässt dich alles schonen. Stärke beweist du, wenn man an deine unbeschränkte Macht nicht glaubt, und bei denen, die sie kennen, strafst du die anmaßende Auflehnung. Weil du über Stärke verfügst, richtest du in Milde und behandelst uns mit großer Schonung; denn die Macht steht dir zur Verfügung, wann immer du willst. Durch solches Handeln hast du dein Volk gelehrt, dass der Gerechte menschenfreundlich sein muss, und hast deinen Söhnen und Töchtern die Hoffnung geschenkt, dass du den Sündern die Umkehr gewährst.

 

Evangelium Mt 13, 24–30

In jener Zeit erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind,
säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!

 

Für den Tag und die Woche

 Geduldig sein heißt, einfach da sein, warten, bis etwas reif ist. Nur wer das Nichtstunkönnen, das Nichtssehen, das Ausgeliefertsein an die Prozesse des Wachsens und Reifens aushält, wird ernten können, was reif ist. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass er alles selber machen will. Im Warten trägt er schwer an seiner Ohnmacht, dass das Wachsen und Reifen nicht ihm gehorcht, sondern einem anderen, dem inneren Prozess oder Gott, der das Wachsen und Reifen bewirkt. (Anselm Grün)

 

 

Unfehlbarkeit (Weish 12,13.16-19/Mt 13,24-30)

 Am heutigen Sonntag kreisen die biblischen Lesungstexte um das Thema „Macht“. Wer hat Macht? Wie umgehen mit der Macht? Die Lesungstexte verknüpfen die Macht eng mit dem Thema „Weisheit“. Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Wissen ist Macht“. Es stammt von dem englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626), der in der beginnenden Aufklärung die große Bedeutung naturwissenschaftlichen Wissens betonen wollte. Um diese Art von Wissen geht es in den biblischen Texten des Sonntags nicht.

 

Die alttestamentliche Lesung ist dem Buch der Weisheit entnommen, einem Buch der Weisheitsliteratur, das wahrscheinlich um 50 v. Chr. von einem Griechisch sprechende

n Juden im ägyptischen Alexandria verfasst wurde.

In den fünf Versen der Lesung tritt der Aspekt der Weisheit zugunsten des Aspektes Macht in den Hintergrund. Für den Verfasser gibt es keinen Zweifel: Wahre Stärke und Macht gibt es nur bei Gott, und seine Stärke ist Grundlage seiner Gerechtigkeit und seiner Güte. Diese Güte soll den Menschen Vorbild sein, freundlich und gerecht sollen sie handeln.

 Das Evangelium vom Weizen und dem Unkraut auf dem Acker greift die Aspekte von Macht und Weisheit auf. Weil die Menschen nicht zwischen Unkraut und Weizen unterscheiden können, sollen sie ihre Macht beschränken und beides wachsen lassen; Gott selbst wird dann Gericht halten. Der Mensch ist eben nicht unfehlbar.

Oder doch? Wenigstens einer, wenn er ein bestimmtes Amt, das Papstamt innehat? Fast auf den Tag genau vor 150 Jahren, am 18. Juli 1870, wurde auf dem Ersten Vatikanischen Konzil unter Papst Pius IX. das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit verkündet. Eine schon damals höchst umstrittene Entscheidung, die von der Satirezeitschrift „Kladderadatsch“ schon zu Beginn des Konzils in einer Karikatur aufgegriffen wurde. Die „Tauben“ – gemeint waren die Konzilsväter – erwiesen sich nicht alle als so friedlich und fügsam wie vielleicht von Papst und Kurie erhofft. Gerade aus dem deutsch-österreichischen Episkopat kam vehemente Kritik, doch gelang es der Konzilsleitung, die größten Kritiker aus der wichtigsten Kommission auszuschließen. Noch vor der Abstimmung verließen 60 Bischöfe Rom; in der Folgezeit spalteten sich die Altkatholiken von der katholischen Kirche ab.

Welches Ei wurde damals der Kirche ins Nest gelegt? Oder anders formuliert: Spielt das Dogma heute noch eine Rolle? Ja und Nein, möchte ich antworten. Nein, weil es in den 150 Jahren genau einmal zur Anwendung gekommen ist: bei der Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel durch Papst Pius XII. im Jahr 1950.

Und Ja, es spielt noch eine Rolle, weil es für nicht wenige Menschen ein falsches Licht auf die Kirche wirft. Eben nicht das einer menschenfreundlichen, demütigen, ihrer Fehler- und Sündhaftigkeit bewussten Kirche, sondern das einer anmaßenden, selbstgerechten.

Kein faires Urteil, weil die päpstliche Unfehlbarkeit an ganz bestimmte Voraussetzungen geknüpft und theologisch begründet eine von Gott verliehene Unfehlbarkeit ist, doch der verheerende Eindruck bleibt. Gerade dann, wenn in aktuellen Diskussionen wie zum Beispiel der über das Frauenpriestertum erklärt wird, Papst Johannes Paul II. hätte dieses Thema abschließend und ein für alle Mal geklärt. Der Theologe Hans Küng sprach in einem offenen Brief an Papst Franziskus im März 2016 von einer „Unfehlbarkeitsideologie“, die jegliche Erneuerung der Kirche blockiere. Es kann spannend bleiben mit der Macht und mit der Weisheit.

Michael Tillmann

 

Zu Gott, dem Lebendigen, der für uns sorgt und um unsere Nöte weiß, rufen wir in den Anliegen unserer Zeit und beten:
- Wir beten für die Kirche: Für unseren Papst Franziskus, unseren Bischof und für alle Männer und Frauen, die das Evangelium von der nahegekommenen Gottesherrschaft verkünden: Um lebensnahe Antworten auf  Ängste und Hoffnungen. Herr, unser Gott.
- Wir beten für unsere Erde und für alle Völker: Um Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit, um ein Leben ohne Angst vor Krieg, Terror und Katastrophen.
- Wir beten für alle Menschen, die in diesen Sommertagen unterwegs sind:
Um Schutz vor Unfällen und Unglück, um erholsame Tage zum Aufatmen und Krafttanken, um eine glückliche Heimkehr.
- Wir beten für alle Kranken und Notleidenden: Um baldige Gesundheit, um Menschen, die sie begleiten und ihren Weg teilen, um Kraft in ihren Leiden.
- Wir beten für unsere Toten und für alle Verstorbenen: Um das ewige Leben in deinem Reich und um Trost für alle, die um sie trauern,.
Herr, unser Gott, du verfügst über Stärke, du richtest in Milde, du schenkst unserem Leben Ruhe und Sicherheit. Dir danken wir, dich loben und preisen wir heute und in alle Ewigkeit. – Amen.

 

Gott, segne mich und alle, die mit mir in dieser Zeit verbunden sind, begleite und segne uns +der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen