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geschrieben am: 29.06.2020

13. Sonntag im Jahreskreis A



Der Jünger Jesu ist kein Fanatiker. Er ist glücklich, weil er Jesus gefunden hat und er kann von ihm nicht schweigen, auch dann nicht, wenn er dadurch für andere Menschen, sogar für seine Freunde, ein Fremder wird. Wer zu ihm gut ist, dem wird Gott es danken.

Tagesgebet

Gott, unser Vater, du hast uns in der Taufe
zu Kindern des Lichtes gemacht.
Lass nicht zu,
dass die Finsternis des Irrtums
über uns Macht gewinnt,
sondern hilf uns,
im Licht deiner Wahrheit zu bleiben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Zweite Lesung Röm 6, 3–4.8–11

Wir wurden ja mit Christus begraben durch die Taufe, damit wir in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln

Lesung
aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom.

Schwestern und Brüder!
3 Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden,
sind auf seinen Tod getauft worden.
4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod,
damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
von den Toten auferweckt wurde,
in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.
8 Sind wir nun mit Christus gestorben,
so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
9 Wir wissen,
dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt;
der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
10 Denn durch sein Sterben
ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde,
sein Leben aber lebt er für Gott.
11 So begreift auch ihr euch als Menschen,
die für die Sünde tot sind,
aber für Gott leben in Christus Jesus.

 

 

Ruf vor dem EvangeliumVers: vgl. 1 Petr 2, 9

Halleluja. Halleluja.
Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht,
eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm.
Verkündet die großen Taten Gottes,
der euch in sein wunderbares Licht gerufen hat.

Zum Evangelium   Nachfolge Jesu bedeutet bewusstes und intensives Leben, und eben darum auch: ständiges Abschiednehmen, ein Leben wie durch den Tod hindurch. – „Propheten“ und „Gerechte“ werden im Matthäusevangelium die Gottesmänner des Alten Bundes genannt. Ihnen werden die Jünger Jesu gleichgestellt; sie setzen die Sendung Jesu fort. Wer sie aufnimmt, dem wird Gott es danken.

Evangelium Mt 10, 37–42

Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, ist meiner nicht wert. – Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich,
ist meiner nicht wert,
und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich,
ist meiner nicht wert.
38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt,
ist meiner nicht wert.
39 Wer das Leben findet,
wird es verlieren;
wer aber das Leben um meinetwillen verliert,
wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt,
der nimmt mich auf,
und wer mich aufnimmt,
nimmt den auf, der mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist,
wird den Lohn eines Propheten erhalten.
Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist,
wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
42 Und wer einem von diesen Kleinen
auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt,
weil es ein Jünger ist –
Amen, ich sage euch:
Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

 

Sonntagsimpuls

 

Es ist Sommer. Es sind Sommerferien. Eigentlich eine leichte Zeit. Gerade nicht. NRW trifft die Corona-Krise im Augenblick hart. Zwei verschiedene Kreise stehen unter Quarantäne. Menschen sind vor allem aufgrund von unwürdigen Arbeitsbedingungen erkrankt. Österreich spricht eine Reisewarnung für NRW aus. Vieles scheint wieder auf den Kopf gestellt und manch einer bangt von uns wie es weitergeht.

Jetzt auch noch dieses Evangelium. Sein Kreuz auf sich nehmen, die Familie nicht mehr lieben als Jesus, das Leben verlieren um seinetwillen. Jesu Worte klingen nicht nach Frieden und Eintracht. Da ist kein Friede, Freude, Eierkuchen. Jesus warnt ganz eindringlich: Hälst du dieses Leben fest und gibst darüber Gott auf, dann verlierst du auch dein eigenes eigentliches Leben.

Aber wir kennen diese Seite des Glaubens auch. Wenn wir nur an den lieben Gott glauben, der alles richtet, wenn wir nur fleißig beten, dann hält unser Glaube nicht stand. Zuviele Fragen stellen sich uns dann in den Weg, wenn uns Dinge passieren, die beängstigend und schlimm sind. Und die Rede von Gott endet bei vielen Menschen im Atheismus, wenn sie nur vom lieben Gott gehört haben und dann mit der rauen Wirklichkeit des Lebens in Berührung kommen.

Kreuz und Christentum sind nun mal nicht zu trennen. Und es geht mir nicht um diese Kreuze von denen schöne Geschichten erzählen, dass jeder nur das Kreuz bekommt, was er auch tragen kann. Das stimmt meiner Erfahrung nach nicht. Es gibt Menschen bei denen steht der Mist im Stall höher als bei anderen und das meist unverschuldet.

Im Evangelium geht es darum, sein Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen. Das lateinische Wort für Nachfolgen heißt, dass es um Konsequenzen geht. Sie kennen das von früher sicher noch…diese Zettelchen, die man zugesteckt bekommen hat: Willst du mit mir gehen? Ja – Nein – Vielleicht – später – ich überlege noch. Und dann die Aufforderung. Bitte ankreuzen. Wenn wir heute richtig hinhören, merken wir, Jesus tut nichts anderes, als uns so ein Zettelchen hinzuschieben. Nur ohne die Optionen: Vielleicht, später, muss noch drüber nachdenken, weiß nicht, muss erst den Hund füttern oder Kaffee kochen.

Es gibt kein folgenloses Christsein. Christsein lässt sich nicht weichspülen. Wir sollen es mit dem Glauben ernstmeinen. Auch wenn es ungemütlich, kompliziert und schwer wird. Wir sollen die Grundwerte unseres Glaubens im Blick behalten. Die Würde jedes Menschen etwa. Die Absage an jeglichen Missbrauch, Rassismus, Missachtung der Rechte anderer – auch in namhaften Fleischfabriken.

Auch die Kirche und die Gemeinden müssen gerade ein Kreuz auf sich nehmen. Wir stehen am Übergang. Die Erfahrungen in dieser Corona-Zeit machen manches deutlicher, was sich schon abgezeichnet hatte. Was es vor Ort noch geben wird an Strukturen und Traditionen wissen wir nicht. Neues ist oft noch nicht da und muss noch geschaffen werden. Und Altes kann dabei meist nicht als Vorlage dienen. Das ist nicht leicht. Von der Lust auf Aufbruch bis zur Angst vor Veränderung ziehen sich die Gefühle auch in unserem Pastoralverbund.

Jesu Botschaft lässt keinen Zweifel dran, dass seine Nachfolge kein Spaziergang ist. Weil es Konsequenzen hat, auf seinem Zettelchen das Ja anzukreuzen.

Dann heißt es, das Leben anzunehmen – auch wenn es fragil ist. Eigene Grenzen zuzugeben – auch wenn es nicht leicht ist. Leben auch im Fragment und seiner Gebrochenheit als sinnvoll betrachten. Das Kreuz auf sich nehmen als Einladung zur Freiheit der Kinder Gottes zu betrachten. Das heißt auch ein Sich lösen, sich frei machen dürfen von Bindungen, die uns unmündig und abhängig halten wollen.

Es geht um ein neues Miteinander. Unabhängig davon, ob wir miteinander verwandt sind, uns sympathisch sind, was davon haben. Sondern im Bewusstsein Kinder Gottes zu sein oder wie das Tagesgebet sagt: Kinder des Lichtes.

Und ich kenne auch diese Abhängigkeiten, die tief in mir schlummern. Oder manchmal auch sehr wach sind. Sehnsucht nach Anerkennung, Wertschätzung, Dankbarkeit. Oder so innere Tauschgeschäfte: Wenn ich schon das alles für dich, für euch, für den Verein, für die Gemeinde tue, dann… - So Dinge halt für die Andere mich bewundern. Oder mir auf die Schultern klopfen und sagen, wie toll ich denn bin. Und selbst, wenn das alles nicht so ist, mag ich es schon sehr, wenn Leute sehen, was ich (für sie) tu. Und dann ordentlich dankbar sind und mir das auch zeigen (und am besten der ganzen Welt rundherum).

Dieses Evangelium ist also „hardcore“.  Herausforderung auch für mich. Erwischt. Weil mir Jesus direkt und nicht gerade sehr sensibel mitteilt – wenn ich ihm nachfolge, wenn ich in seinem Team bin, dann ist er das Maß aller Dinge. Christsein für Fortgeschrittene. Die Latte liegt ziemlich hoch. Die Spielregel der Welt lautet „um zu“. Die Erfolgsregel Jesu lautet „einfach so“.

 Mich tröstet das aber auch und das gibt mir echt Auftrieb: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf..." Jesus setzt sich selber nicht nur auf eine Stufe mit dir und mir (so eine Sache auf Augenhöhe), er identifiziert sich total mit uns, die wir ihm nachfolgen: „Wenn du mit mir gehst, brauchst du nicht darauf zu achten, was die Anderen über dich denken, ob du eh gut ankommst, brauchst nicht das Lob und die Anerkennung der Anderen.

 Halte deinen Blick nur auf mich. Lern von mir. Dann kannst du dein Kreuz tragen (und musst auch nicht ständig jammern deswegen). Dann bist du wirklich frei.

Und du kannst mit den Menschen, die dir begegnen, lachen und weinen, mitfühlen und für sie da sein… (aber nicht damit sie dich toll finden oder du geliebt wirst!) – einfach so. Du bist schon geliebt!“

Was für eine Zusage, unglaublich.

Ja, Herr, das hätte ich gern und auch noch ein bisschen mehr davon! Amen. 

 

Ein gesegnetes Wochenende wünscht Gemeindereferentin Christina Gäbel